Oktober, 2019 — 4min Lesezeit

Wandel gestalten

Ein Beitrag von Ulrich zur Strassen

Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt. Der andere packt kräftig an - und handelt. Hier lesen Sie ein für mich beeindruckendes Beispiel, wie Wandel in Unternehmen gelingen kann.

Wie wird ein gesamtes Team zu ‚Unternehmern‘?

„Nur der Eigentümer ist der Unternehmer in einer Firma.“ – …

… dieses Klischee wollte und konnte der geschäftsführende Gesellschafter nicht akzeptieren. Nach der Übernahme (Management-Buy-Out) eines mittelständischen Unternehmens aus der Bodensee-Region mit ca. 300 Mitarbeitern hatte er eine andere Zukunft vor Augen.

Seine Vision:

Im Prinzip wollen fast alle Menschen gestalten, sich beweisen, Erfolg in und mit ihrer Arbeit haben und Wertschätzung wie Anerkennung hierfür bekommen.

Mitarbeiter in ‚Unternehmer‘ wandeln? Wie geht das?

Die Situation und das Verhalten in den Abteilungen war geprägt von einer Vielzahl an Kontrollen, verkrusteten Prozessen sowie Vorsicht, Misstrauen und häufigem „Dienst nach Vorschrift“. Anstatt zeitintensiv großartige Konzepte zu entwickeln, über eine andere Art der Zusammenarbeit zu philosophieren oder wieder neue Prozesse zu definieren, packte er einfach an:

  1. Er verband das große Ziel eines leistungsstarken und erfolgreichen Unternehmens mit den Zielen seiner Mitarbeiter.
  2. Er überprüfte und entrümpelte mit seinem Team eingefahrene Prozesse und Formalismen.
  3. In zahlreichen Gesprächen hörte er seinen Mitarbeitern zu und verschaffte sich so einen Überblick, wo der „Schuh drückt“, wo es brennt.
  4. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern gestaltete er neue, offene, helle Arbeitsplätze.
  5. Er traut seinen Mitarbeitern zu, die anstehenden Probleme selbstständig anzugehen und zu lösen
  6. Besteht weiterer Klärungsbedarf, steht seine Tür jederzeit offen. In Folge übernimmt jeder einzelne immer mehr Eigenverantwortung.
  7. Unkonventionelle und pragmatische Ideen sind willkommen.
  8. Fehler, sowie unterschiedliche Ziele und Interessen werden direkt und offen angesprochen.

„Manchmal ist das für mich nicht leicht, die Kritik meiner Mitarbeiter anzunehmen“, sagt der Geschäftsführer und lacht mich an, „aber umgekehrt erwarte ich das ja auch von ihnen. Es bringt uns alle weiter.“

  1. Gegenseitiger Respekt, Vertrauen, wertschätzende, klare Kommunikation sowie
  2. die Suche nach Lösungen statt nach „Schuldigen“ sind heute gelebte, elementare Bestandteile der täglichen Zusammenarbeit.

Leider konnten oder wollten nicht alle Führungskräfte und Mitarbeiter diesen Weg mitgehen. Sie haben das Unternehmen inzwischen verlassen.

Die Auswirkungen dieses Paradigmenwechsels sind spür- und messbar:

  1. konstruktives Arbeitsklima mit
  2. Leidenschaft und Spaß, Herausforderungen gemeinsam zu meistern
  3. steigende Umsätze
  4. verbesserte Kostenstrukturen und
  5. eine deutlich gewachsene Ertragskraft.

„Wir haben unsere Investitionen komplett aus dem eigenen Cash Flow finanziert“, erzählt der Geschäftsführer voller Stolz.

Alles zu schön, um wahr zu sein?

Und doch – so geschehen mitten in Deutschland, mitten in dieser Wirtschaftsphase…

… natürlich nicht über Nacht und nicht per Knopfdruck.

Dahinter verbergen sich harte Arbeit mit vielen Rückschlägen, unangenehme Entscheidungen, Mut,  Ausdauer sowie eine hohe Motivations- und Überzeugungskraft einer starken Persönlichkeit.

Haben Sie Fragen zu Details, freue ich mich auf Ihren Anruf. Bei konkretem Interesse, gebe ich die Kontaktdaten gerne weiter.

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